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Donnerstag, 20. Februar 2014
Zum Golden Rock und nach Bago
rzim22, 12:07h
16. Februar. Heute am Sonntag geht es zur letzten Etappe meiner Myanmar-Reise. Mit Auto und leichtem Gepäck gen Osten zum Golden Rock. Die Legende sagt, dass der Tonnen schwere Fels nur deshalb nicht talwärts gerollt ist, weil er durch ein Haar Buddhas gehalten wurde. Das Heiligtum wird weit über die Grenzen Burmas hinaus verehrt. Jeder Buddhist, der es sich leisten kann, sollte mal da gewesen sein.
Als wir im Base-Camp ankommen, von wo aus man auf "Viehtransportern" nach oben gekarrt wird, heißt es erst mal Schlange stehen. Allerdings gibt es mehrere Schlangen - und so warten dann mehre Trucks gleichzeitig darauf, endlich genügend menschliche Beute gemacht zu haben. Als wirklich kein Hintern mehr Platz hat auf den schmalen Querbalken, geht es nach oben. Von der schönen Landschaft und von den Aktivitäten der Einheimischen am Wegesrand bekommt man kaum etwas mit. Zu sehr ist man damit beschäftigt, seine schmale Sitzfläche gegen all die fremden Körper zu verteidigen. Ans Fotografien ist während der gut 30 Minuten dauernden Fahrt nicht zu denken. Dafür entschädigt der Ausblick über die Bergkette für die Strapazen.

Der Fels ist wirklich ein unwirklicher Anblick. Die Gesetze der Physik scheinen aufgehoben. Er schaut aus, als müsste er jeden Moment fallen.

Auf der großen Terrasse sammeln sich die Gläubigen in kleinen Gruppen. Es sind fast nur einheimische Pilger zu sehen. Darunter viele Mönche und Nonnen - die Männlein in braun, die Weiblein in pink. Und das ist wichtig. Denn mit ihren glattrasierten Schädeln sind sie vom männlichen Geschlecht sonst kaum zu unterscheiden.

Rund um das Heiligtum herrscht eine Mischung aus Partystimmung und Andacht. Es wird gekocht, gegessen, geschaut und geknipst - was das Zeug hält. Und dazwischen gebetet und geopfert. Komischerweise bin ich als Ausländer ein begehrtes Fotoobjekt. Mit hübschen jungen Damen lasse ich mich gerne ablichten. Dabei wird viel gelacht und geschäkert.

Langsam verschwindet die Sonne in einer Dunstschicht am Horizont und der Fels erstrahlt in warmen Goldtönen. Unaufhaltsam kleben die Pilger dünnes Blattgold auf alle erreichbaren Stellen. Im Abendwind segeln Hunderte von Papierfolien davon. Umweltverschmutzung - zu Ehren Buddhas.

Für Frauen sind die letzten Meter zum Fels tabu. Ebenso wie die Treppe zu einem kleinen Hügel, auf dem mehrere Buddhas über den Fels wachen.

Stattdessen knien sie in stiller Andacht vor einem zum Altar umfunktionierten Geländer, zünden Räucherstäbchen an und bringen Opfergaben dar.


Noch lange nachdem die Sonne untergegangen ist, herrscht reges Leben rund um den Fels. Souvenier-Shops und Garküchen sind um das Wohl der Pilger bemüht. Auf dem Weg in ein kleines Restaurant lasse ich mir an einem Stand mit besonders schönen Avocados als Vorspeise einen Shake mixen. Die Tochter des Hauses hat ein nettes Lächeln und wenn der Avocado-Shake nicht schmecken sollte, kann man ihn ja immer noch einem der Bettler schenken, die am Rand der Treppe ihre Hände aufhalten. Aber der Avocado-Shake - die Frucht wird mit süßer Dickmilch und Joghurt verquirlt - schmeckt unerwartet gut. Als ich das Restaurant erreiche ist mein Hunger gestillt. Ich denke an meine schlanke Linie, verzichte auf das Abendessen und verteile ein paar kleine Scheine unter den Bettlern. Angeblich soll sowas ja gut sein für's Kama.
Kurz nach 6 Uhr am Morgen sieht die Pilgerschar dem Sonnenaufgang entgegen.

Die meisten haben auf Bastmatten im Freien oder in einer großen Halle kampiert. Die wenigen Hotels sind nur für Touristen erschwinglich. Über Nacht hat sich der Vollmond zum Stein gesellt, hebt sich aber nur noch wenig vom Morgenhimmel ab.


Ich mache mich auf den Weg zu den "Viehtransportern". Möchte früh los, um dem großen Gedränge aus dem Weg zu gehen. Dummerweise bin ich nicht der einzige mit dieser Idee. Es herrscht dichtes Gedränge an vier Ladestationen gleichzeitig und kein Truck weit und breit. Als der erste Truck kommt, erwische ich einen Stehplatz im Gepäckkorb ganz hinten.

Ein Pärchen aus Thailand steigt dazu. Zum Glück hat niemand im Truck großes Gepäck und wir verstehen kein Wort, als uns der Aufseher verscheuchen will. Als es endlich los geht, haben wir hinten richtig viel Platz und die Fahrt ist fast wie Achterbahn auf dem Jahrmarkt - allerdings in weit schönerer Umgebung.
Die beiden Thais - Dun und Golf - wollten eigentlich mit dem Bus weiter nach Rangun. Ich lade sie ein, mich im Taxi zu begleiten. Erst lehnen sie ab. Dann fragen sie schüchtern, was es kostet. Ich schlage vor, die Kosten für den Bus meinem Fahrer als Tipp zu geben. Ein Angebot, das sie nicht ablehnen können. Zumal wir noch Bago besuchen, anstatt wie der Bus in jedem Dorf zu halten.
Eigentlich habe ich genug Pagoden gesehen, aber die Sh- we-maw-daw-Pagode - das Wahrzeichen der Stadt - wollen wir uns dann doch nicht entgehen lassen. Nach einem Erdbeben Anfang des letzten Jahrhunderts erhielt sie ihr heutiges Erscheinungsbild.

Mit 114 Metern Höhe übertrifft sie zwar die Shwedagon-Pagode in Rangun um einige Meter, hinter deren einmaligen Glanz bleibt sie jedoch zurück. Zumindest wenn man schon etwas übersättigt ist, was Pagoden betrifft. Sie hat vier Eingänge - für jede Himmelsrichtung einen. Die Eingänge werden durch einen reich verzierten Turm betreten. Der Hauptaufgang wird zusätzlich von zwei riesigen Löwen bewacht. Im Innenhof sind mehr Mönche und Nonnen zu sehen als Touristen. Was dem ganzen einen recht authentischen Anstrich verleiht.

Dann kommen wir am Rande von Bago noch an einem riesigen liegenden Buddha vorbei. Ein letztes Mal ziehe ich die Schuhe aus. Jedenfalls bevor es heute Abend ins Bett geht. Ich habe mich satt gesehen und Buddhas und Pagoden..!

Auf der Weiterfahrt habe ich dafür wieder einen Blick für Land und Leute. Es geht vorbei an satt grünen Reisfeldern. Aufgrund des Wasserreichtums gibt es hier zwei Ernten pro Jahr.

In einem der kleinen Dörfer sehen wir Fischer, wie sie mühsam kleine Fische zusammen treiben und dann nach Größe in verschiedene Eimer sortieren. Mit Stolz zeigt ein kleiner Junge den größten Fang des Tages.

Übermäßig satt wird seine Familie davon nicht werden - wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht.
Immer wieder überholen wir Lastwagen oder TukTuks, die bedenklich überladen sind. Offenbar gibt es keine gültigen Vorschriften. Die Polizei jedenfalls schreitet nicht ein. Aber wir sind ja schließlich auch nicht in Deutschland...!

Morgen früh verlasse ich ein in Summe noch ziemlich ursprüngliches Land in Richtung Thailand - mit einer Fülle von bleibenden Eindrücken.
Als wir im Base-Camp ankommen, von wo aus man auf "Viehtransportern" nach oben gekarrt wird, heißt es erst mal Schlange stehen. Allerdings gibt es mehrere Schlangen - und so warten dann mehre Trucks gleichzeitig darauf, endlich genügend menschliche Beute gemacht zu haben. Als wirklich kein Hintern mehr Platz hat auf den schmalen Querbalken, geht es nach oben. Von der schönen Landschaft und von den Aktivitäten der Einheimischen am Wegesrand bekommt man kaum etwas mit. Zu sehr ist man damit beschäftigt, seine schmale Sitzfläche gegen all die fremden Körper zu verteidigen. Ans Fotografien ist während der gut 30 Minuten dauernden Fahrt nicht zu denken. Dafür entschädigt der Ausblick über die Bergkette für die Strapazen.

Der Fels ist wirklich ein unwirklicher Anblick. Die Gesetze der Physik scheinen aufgehoben. Er schaut aus, als müsste er jeden Moment fallen.

Auf der großen Terrasse sammeln sich die Gläubigen in kleinen Gruppen. Es sind fast nur einheimische Pilger zu sehen. Darunter viele Mönche und Nonnen - die Männlein in braun, die Weiblein in pink. Und das ist wichtig. Denn mit ihren glattrasierten Schädeln sind sie vom männlichen Geschlecht sonst kaum zu unterscheiden.

Rund um das Heiligtum herrscht eine Mischung aus Partystimmung und Andacht. Es wird gekocht, gegessen, geschaut und geknipst - was das Zeug hält. Und dazwischen gebetet und geopfert. Komischerweise bin ich als Ausländer ein begehrtes Fotoobjekt. Mit hübschen jungen Damen lasse ich mich gerne ablichten. Dabei wird viel gelacht und geschäkert.

Langsam verschwindet die Sonne in einer Dunstschicht am Horizont und der Fels erstrahlt in warmen Goldtönen. Unaufhaltsam kleben die Pilger dünnes Blattgold auf alle erreichbaren Stellen. Im Abendwind segeln Hunderte von Papierfolien davon. Umweltverschmutzung - zu Ehren Buddhas.

Für Frauen sind die letzten Meter zum Fels tabu. Ebenso wie die Treppe zu einem kleinen Hügel, auf dem mehrere Buddhas über den Fels wachen.

Stattdessen knien sie in stiller Andacht vor einem zum Altar umfunktionierten Geländer, zünden Räucherstäbchen an und bringen Opfergaben dar.


Noch lange nachdem die Sonne untergegangen ist, herrscht reges Leben rund um den Fels. Souvenier-Shops und Garküchen sind um das Wohl der Pilger bemüht. Auf dem Weg in ein kleines Restaurant lasse ich mir an einem Stand mit besonders schönen Avocados als Vorspeise einen Shake mixen. Die Tochter des Hauses hat ein nettes Lächeln und wenn der Avocado-Shake nicht schmecken sollte, kann man ihn ja immer noch einem der Bettler schenken, die am Rand der Treppe ihre Hände aufhalten. Aber der Avocado-Shake - die Frucht wird mit süßer Dickmilch und Joghurt verquirlt - schmeckt unerwartet gut. Als ich das Restaurant erreiche ist mein Hunger gestillt. Ich denke an meine schlanke Linie, verzichte auf das Abendessen und verteile ein paar kleine Scheine unter den Bettlern. Angeblich soll sowas ja gut sein für's Kama.
Kurz nach 6 Uhr am Morgen sieht die Pilgerschar dem Sonnenaufgang entgegen.

Die meisten haben auf Bastmatten im Freien oder in einer großen Halle kampiert. Die wenigen Hotels sind nur für Touristen erschwinglich. Über Nacht hat sich der Vollmond zum Stein gesellt, hebt sich aber nur noch wenig vom Morgenhimmel ab.


Ich mache mich auf den Weg zu den "Viehtransportern". Möchte früh los, um dem großen Gedränge aus dem Weg zu gehen. Dummerweise bin ich nicht der einzige mit dieser Idee. Es herrscht dichtes Gedränge an vier Ladestationen gleichzeitig und kein Truck weit und breit. Als der erste Truck kommt, erwische ich einen Stehplatz im Gepäckkorb ganz hinten.

Ein Pärchen aus Thailand steigt dazu. Zum Glück hat niemand im Truck großes Gepäck und wir verstehen kein Wort, als uns der Aufseher verscheuchen will. Als es endlich los geht, haben wir hinten richtig viel Platz und die Fahrt ist fast wie Achterbahn auf dem Jahrmarkt - allerdings in weit schönerer Umgebung.
Die beiden Thais - Dun und Golf - wollten eigentlich mit dem Bus weiter nach Rangun. Ich lade sie ein, mich im Taxi zu begleiten. Erst lehnen sie ab. Dann fragen sie schüchtern, was es kostet. Ich schlage vor, die Kosten für den Bus meinem Fahrer als Tipp zu geben. Ein Angebot, das sie nicht ablehnen können. Zumal wir noch Bago besuchen, anstatt wie der Bus in jedem Dorf zu halten.
Eigentlich habe ich genug Pagoden gesehen, aber die Sh- we-maw-daw-Pagode - das Wahrzeichen der Stadt - wollen wir uns dann doch nicht entgehen lassen. Nach einem Erdbeben Anfang des letzten Jahrhunderts erhielt sie ihr heutiges Erscheinungsbild.

Mit 114 Metern Höhe übertrifft sie zwar die Shwedagon-Pagode in Rangun um einige Meter, hinter deren einmaligen Glanz bleibt sie jedoch zurück. Zumindest wenn man schon etwas übersättigt ist, was Pagoden betrifft. Sie hat vier Eingänge - für jede Himmelsrichtung einen. Die Eingänge werden durch einen reich verzierten Turm betreten. Der Hauptaufgang wird zusätzlich von zwei riesigen Löwen bewacht. Im Innenhof sind mehr Mönche und Nonnen zu sehen als Touristen. Was dem ganzen einen recht authentischen Anstrich verleiht.

Dann kommen wir am Rande von Bago noch an einem riesigen liegenden Buddha vorbei. Ein letztes Mal ziehe ich die Schuhe aus. Jedenfalls bevor es heute Abend ins Bett geht. Ich habe mich satt gesehen und Buddhas und Pagoden..!

Auf der Weiterfahrt habe ich dafür wieder einen Blick für Land und Leute. Es geht vorbei an satt grünen Reisfeldern. Aufgrund des Wasserreichtums gibt es hier zwei Ernten pro Jahr.

In einem der kleinen Dörfer sehen wir Fischer, wie sie mühsam kleine Fische zusammen treiben und dann nach Größe in verschiedene Eimer sortieren. Mit Stolz zeigt ein kleiner Junge den größten Fang des Tages.

Übermäßig satt wird seine Familie davon nicht werden - wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht.
Immer wieder überholen wir Lastwagen oder TukTuks, die bedenklich überladen sind. Offenbar gibt es keine gültigen Vorschriften. Die Polizei jedenfalls schreitet nicht ein. Aber wir sind ja schließlich auch nicht in Deutschland...!

Morgen früh verlasse ich ein in Summe noch ziemlich ursprüngliches Land in Richtung Thailand - mit einer Fülle von bleibenden Eindrücken.
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Samstag, 15. Februar 2014
Auf dem Inle-See
rzim22, 03:41h
Nyaungshwe ist eine Touristenhochburg mit vielen Restaurants und Hotels. Ich bestelle mir ein Boot für den nächsten Tag, um den knapp 20km langen See erkunden zu können. Als ich am Kanal eintreffe, der das Städtchen mit dem See verbindet, herrscht ein reges Treiben. Ein Langboot nach dem anderen düst mit Touris beladen gen Süden. Die entgegenkommenden Boote der Einheimischen Inthas sind oft so beladen, dass die Seitenwände kaum über dem Wasserspiegel bleiben. Wenn sich dann noch ein ganz schneller zwischen durch zwängt, darf Wasser geschöpft werden...!

Es ist merklich wärmer als die Tage zuvor. Wir befinden uns auf "nur noch" 900 Metern Höhe und der See scheint die Wärme zu speichern. Er ist in der Trockenzeit mit 2m Tiefe relativ flach und stark mit Algen und Wasserhyazinthen bewachsen. Weil für den Fischfang nur sehr begrenzt Netze eingesetzt werden können, haben die Fischer hier eine ganz eigene Technik entwickelt. Sie stoßen zunächst einen langen Bambuskorb bis auf den Grund.

Mit einem Stock scheuchen sie Fische auf, die sich dann in einem Netz verfangen, das im Korb an Metallringen heruntergelassen werden kann. Um die Hände frei zu haben für diese komplizierte Technik, balancieren sie mit einem Bein auf dem wackligen Kahn und bewegen das meist unter der Achsel fixierte Paddel mit dem Fuß.

Eine andere Besonderheit, mit der die Inthas ihren Lebensunterhalt verdienen, sind Schwimmende Gärten. Die vielen Wasserhyazinthen bilden einen dichten Teppich, in dessen Wurzeln sich angeschwemmter Schlamm zu einer Erdschicht verdichtet. So entsteht auf natürliche Weise eine dicke Humusschicht, die in längliche Streifen geschnitten und an Stangen fixiert wird. Dazwischen ist Platz für die schlanken Boote, von denen aus die "Beete" bestellt werden.

Neben Blumen werden überwiegend Tomaten, Gurken, Erbsen und Bohnen angebaut. Gießen jedenfalls müssen die Inthas ihre Gärten nicht.

Manchmal werden auf diese Teppiche als Dünger noch Algen und Schlamm geladen.
Die Häuser am See stehen überwiegend auf Teakholz-Stelzen. In manchen Dörfern sind sie durch lange Stege mit dem Festland verbunden, die ebenfalls auf Stelzen stehen. Aber kein Zweifel, dass Boot ist das Hauptverkehrsmittel hier und der See mitsamt seinen vielen Verbindungskanälen ersetzt das Strassennetz. In der "Garage" unterm Haus sind die Langboote geparkt, sofern sie nicht gerade im Garten unterwegs sind. Oder mit Obst und Souvenirs beladen Jagd auf Touristen machen.

In einem der Dörfer entdecke ich zwei Männer, die einen rund 5 Meter langen Teakholzstamm in 3 Zentimeter dicke Bretter sägen. Von Hand versteht sich. Und das mit unglaublicher Präzision. Alle paar Minuten machen sie eine kurze Pause, kühlen die Säge mit Wasser und schieben einen Keil nach, der verhindert, dass die Säge klemmt. Hätte nie gedacht, dass man einen so langen Stamm von Hand in perfekte Bretter sägen kann. Die Bretter werden für den Bau von Langbooten gebraucht. Bin beeindruckt.

Wir fahren weiter und machen Halt an einem deutlich größeren Haus. Da bereits mehrere Touri-Boote da sind, vermute ich ein Restaurant. Ich geh von Bord - ein erster Hunger regt sich. Ich werde von einer netten kleinen Verkäuferin schnell aufgeklärt. Hier ist eine Weberei, die in uralter Technik aus Lotus und Seide ultraleichte Schals herstellt. Lotus??? Was hat eine Blume denn mit Seide zu tun. Und in der Tat. Eine Arbeiterin bricht den Lotusstengel in zwei Zentimeter lange Stückchen und zieht daraus mehrere Fäden. Auf einem kleinen Tisch verwirbelt sie die neuen Fäden mit den "alten" und erhält so in mühevoller Handarbeit schließlich einen langen, dünnen Faden, der in weiteren Schritten noch geglättet wird. Ich erfahre, dass Lotusfäden 7 Mal teurer sind als Seide und ahne, dass am Ende der Produktionsräume unausweichlich der Verkaufsraum lauert. Trotzdem.

Es ist beeindruckend, was auf 200 Jahre alten Webstühlen von Hand produziert werden kann. Als ich am Ende des Rundgangs einen federleichten Schal aus Lotus und Seide in Händen halte, kann ich nicht widerstehen. Ein so schönes Teil habe ich noch nie gesehen - und geben tut es das nur hier. Da kann ich auch nicht beurteilen, ob 75 Dollar nun angemessen sind oder nicht. Ich geh mal davon aus, es handelt sich um einen günstigen "Outlet-Preis"!
Nach dem Essen schippern wir gemütlich durch die Kanäle. Ich hätte längst meine Orientierung verloren. In einem der Häuser sehen wir eine Gruppe von Giraffenfrauen. Angeblich wollten sie sich durch die Metallringen in früheren Zeiten unattraktiv machen, um nicht von Sklavenhändlern mitgenommen zu werden. Zumindest bei der Alten ist das bestens gelungen.

Ich erkläre der Kleinen, dass sie sich die Tante genau anschauen soll - als abschreckendes Beispiel. Sie verspricht, höchstens noch einen weiteren Ring draufsatteln zu lassen. Und ich drohe damit, dies spätestens in drei Jahren überprüfen zu wollen :-)! Dann taucht, ich hatte es schon fast vergessen, doch noch die "Pagode der königlichen Barke“ auf. Sie ist Ziel jeder touristischen Bootsfahrt. Aber ich habe genug Pagoden gesehen und verzichte auf Fotos...
Auf der Rückfahrt lasse ich mir den kühlen Wind um die Ohren wehen und beschließe, den Abend im besten Restaurant am Ort ausklingen zu lassen. Als ich mich nach vorzüglicher myanmarischer Küche gegen 21:30 auf den Heimweg mache, sind die Bordsteine im Dorf schon hochgeklappt - insbesondere in der einzigen Cocktailbar, die zuvor noch auf einer Kreidetafel Caipi angepriesen hatte.
16. Februar. Für heute ist eine Radtour geplant. Eigentlich hatte ich vor, ein Weingut am Berg zu besuchen, von dem aus man einen herrlichen Ausblick haben soll. Zumindest haben die beiden Französinnen in Bagan sehr davon geschwärmt. Wobei ich vermute, dass sie primär den Wein im Blick hatten. Da mein Bedarf an Klettertouren nachhaltig gestillt ist, lenke ich den Drahtesel ans Westufer des Sees. Dort gibt es heiße Quellen und ein schönes SPA, auf das ich es abgesehen habe. Ich fahre auf staubiger Straße durch kleine Dörfer, die einen ziemlich ursprünglichen Eindruck machen. Die Morgentoilette findet generell an den Kanälen statt.

Dann gerate ich völlig unvorbereitet in ein riesiges Dorffest unterhalb einer Pagode. Es ist Vollmond und außerdem Samstag. Und der Mon-Staat feiert 65. Geburtstag. Zu Fuss, mit Booten, Motorrädern und Autos strömen die Einheimischen zusammen.

Die Frauen in bestes Tuch gehüllt und schön heraus geputzt.

Die schmale Straße ist auf gut einem Kilometer so verstopft, dass es nicht mal mit dem Fahrrad ein Durchkommen gibt. Rund 10.000 Menschen drängen sich auf 500 Metern Straße. Rund 1 Stunde Fahrzeit und jede Menge Körperkontakt. Dafür sind kaum Touristen da. Während die öffentlichen Thermalquellen völlig übervölkert sind, gibt es im SPA genügend freie Liegen. Ich entspanne den Rest des Tages im 40 Grad warmen Wasser und in horizontaler Lage - mit ein paar kühlen Drinks.

Von einer Vietnamesin bekomme ich den Tipp, am folgenden Abend statt dem Flieger den bequemen Nachtbus nach Rangun zu nehmen. Da ich dabei erst um 17 Uhr im Hotel abgeholt werde, gewinne ich einen Tag. Fast jedenfalls. Das gibt Zeit für eine weitere Shopping-Tour. Inzwischen ist mein Rucksack allerdings prall gefüllt.

Ich hoffe er hält durch...

Es ist merklich wärmer als die Tage zuvor. Wir befinden uns auf "nur noch" 900 Metern Höhe und der See scheint die Wärme zu speichern. Er ist in der Trockenzeit mit 2m Tiefe relativ flach und stark mit Algen und Wasserhyazinthen bewachsen. Weil für den Fischfang nur sehr begrenzt Netze eingesetzt werden können, haben die Fischer hier eine ganz eigene Technik entwickelt. Sie stoßen zunächst einen langen Bambuskorb bis auf den Grund.

Mit einem Stock scheuchen sie Fische auf, die sich dann in einem Netz verfangen, das im Korb an Metallringen heruntergelassen werden kann. Um die Hände frei zu haben für diese komplizierte Technik, balancieren sie mit einem Bein auf dem wackligen Kahn und bewegen das meist unter der Achsel fixierte Paddel mit dem Fuß.

Eine andere Besonderheit, mit der die Inthas ihren Lebensunterhalt verdienen, sind Schwimmende Gärten. Die vielen Wasserhyazinthen bilden einen dichten Teppich, in dessen Wurzeln sich angeschwemmter Schlamm zu einer Erdschicht verdichtet. So entsteht auf natürliche Weise eine dicke Humusschicht, die in längliche Streifen geschnitten und an Stangen fixiert wird. Dazwischen ist Platz für die schlanken Boote, von denen aus die "Beete" bestellt werden.

Neben Blumen werden überwiegend Tomaten, Gurken, Erbsen und Bohnen angebaut. Gießen jedenfalls müssen die Inthas ihre Gärten nicht.

Manchmal werden auf diese Teppiche als Dünger noch Algen und Schlamm geladen.
Die Häuser am See stehen überwiegend auf Teakholz-Stelzen. In manchen Dörfern sind sie durch lange Stege mit dem Festland verbunden, die ebenfalls auf Stelzen stehen. Aber kein Zweifel, dass Boot ist das Hauptverkehrsmittel hier und der See mitsamt seinen vielen Verbindungskanälen ersetzt das Strassennetz. In der "Garage" unterm Haus sind die Langboote geparkt, sofern sie nicht gerade im Garten unterwegs sind. Oder mit Obst und Souvenirs beladen Jagd auf Touristen machen.

In einem der Dörfer entdecke ich zwei Männer, die einen rund 5 Meter langen Teakholzstamm in 3 Zentimeter dicke Bretter sägen. Von Hand versteht sich. Und das mit unglaublicher Präzision. Alle paar Minuten machen sie eine kurze Pause, kühlen die Säge mit Wasser und schieben einen Keil nach, der verhindert, dass die Säge klemmt. Hätte nie gedacht, dass man einen so langen Stamm von Hand in perfekte Bretter sägen kann. Die Bretter werden für den Bau von Langbooten gebraucht. Bin beeindruckt.

Wir fahren weiter und machen Halt an einem deutlich größeren Haus. Da bereits mehrere Touri-Boote da sind, vermute ich ein Restaurant. Ich geh von Bord - ein erster Hunger regt sich. Ich werde von einer netten kleinen Verkäuferin schnell aufgeklärt. Hier ist eine Weberei, die in uralter Technik aus Lotus und Seide ultraleichte Schals herstellt. Lotus??? Was hat eine Blume denn mit Seide zu tun. Und in der Tat. Eine Arbeiterin bricht den Lotusstengel in zwei Zentimeter lange Stückchen und zieht daraus mehrere Fäden. Auf einem kleinen Tisch verwirbelt sie die neuen Fäden mit den "alten" und erhält so in mühevoller Handarbeit schließlich einen langen, dünnen Faden, der in weiteren Schritten noch geglättet wird. Ich erfahre, dass Lotusfäden 7 Mal teurer sind als Seide und ahne, dass am Ende der Produktionsräume unausweichlich der Verkaufsraum lauert. Trotzdem.

Es ist beeindruckend, was auf 200 Jahre alten Webstühlen von Hand produziert werden kann. Als ich am Ende des Rundgangs einen federleichten Schal aus Lotus und Seide in Händen halte, kann ich nicht widerstehen. Ein so schönes Teil habe ich noch nie gesehen - und geben tut es das nur hier. Da kann ich auch nicht beurteilen, ob 75 Dollar nun angemessen sind oder nicht. Ich geh mal davon aus, es handelt sich um einen günstigen "Outlet-Preis"!
Nach dem Essen schippern wir gemütlich durch die Kanäle. Ich hätte längst meine Orientierung verloren. In einem der Häuser sehen wir eine Gruppe von Giraffenfrauen. Angeblich wollten sie sich durch die Metallringen in früheren Zeiten unattraktiv machen, um nicht von Sklavenhändlern mitgenommen zu werden. Zumindest bei der Alten ist das bestens gelungen.

Ich erkläre der Kleinen, dass sie sich die Tante genau anschauen soll - als abschreckendes Beispiel. Sie verspricht, höchstens noch einen weiteren Ring draufsatteln zu lassen. Und ich drohe damit, dies spätestens in drei Jahren überprüfen zu wollen :-)! Dann taucht, ich hatte es schon fast vergessen, doch noch die "Pagode der königlichen Barke“ auf. Sie ist Ziel jeder touristischen Bootsfahrt. Aber ich habe genug Pagoden gesehen und verzichte auf Fotos...
Auf der Rückfahrt lasse ich mir den kühlen Wind um die Ohren wehen und beschließe, den Abend im besten Restaurant am Ort ausklingen zu lassen. Als ich mich nach vorzüglicher myanmarischer Küche gegen 21:30 auf den Heimweg mache, sind die Bordsteine im Dorf schon hochgeklappt - insbesondere in der einzigen Cocktailbar, die zuvor noch auf einer Kreidetafel Caipi angepriesen hatte.
16. Februar. Für heute ist eine Radtour geplant. Eigentlich hatte ich vor, ein Weingut am Berg zu besuchen, von dem aus man einen herrlichen Ausblick haben soll. Zumindest haben die beiden Französinnen in Bagan sehr davon geschwärmt. Wobei ich vermute, dass sie primär den Wein im Blick hatten. Da mein Bedarf an Klettertouren nachhaltig gestillt ist, lenke ich den Drahtesel ans Westufer des Sees. Dort gibt es heiße Quellen und ein schönes SPA, auf das ich es abgesehen habe. Ich fahre auf staubiger Straße durch kleine Dörfer, die einen ziemlich ursprünglichen Eindruck machen. Die Morgentoilette findet generell an den Kanälen statt.

Dann gerate ich völlig unvorbereitet in ein riesiges Dorffest unterhalb einer Pagode. Es ist Vollmond und außerdem Samstag. Und der Mon-Staat feiert 65. Geburtstag. Zu Fuss, mit Booten, Motorrädern und Autos strömen die Einheimischen zusammen.

Die Frauen in bestes Tuch gehüllt und schön heraus geputzt.

Die schmale Straße ist auf gut einem Kilometer so verstopft, dass es nicht mal mit dem Fahrrad ein Durchkommen gibt. Rund 10.000 Menschen drängen sich auf 500 Metern Straße. Rund 1 Stunde Fahrzeit und jede Menge Körperkontakt. Dafür sind kaum Touristen da. Während die öffentlichen Thermalquellen völlig übervölkert sind, gibt es im SPA genügend freie Liegen. Ich entspanne den Rest des Tages im 40 Grad warmen Wasser und in horizontaler Lage - mit ein paar kühlen Drinks.

Von einer Vietnamesin bekomme ich den Tipp, am folgenden Abend statt dem Flieger den bequemen Nachtbus nach Rangun zu nehmen. Da ich dabei erst um 17 Uhr im Hotel abgeholt werde, gewinne ich einen Tag. Fast jedenfalls. Das gibt Zeit für eine weitere Shopping-Tour. Inzwischen ist mein Rucksack allerdings prall gefüllt.

Ich hoffe er hält durch...
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Dienstag, 11. Februar 2014
Von Kalaw zum Inle-See
rzim22, 17:42h
9. Februar. Um 8 Uhr früh werden wir von Sunny im Hotel abgeholt. Er soll für die nächsten 3 Tage unser Guide sein. Er hat mir einen kleinen Rucksack mitgebracht, damit ich keinen unnötigen Ballast schleppen muss. Meinen großen soll ich am Ziel bekommen, wenn Sunny mit dem Auto abgeholt wird.
Schon in der ersten Stunde kommen mir Zweifel. Es geht bei flottem Tempo fast permanent bergauf. Puls geschätzte 150.

Immer wieder kommen uns Angehörige des Palaung-Stammes entgegen, die in verstreuten Dörfern in den umliegenden Bergen leben.

Ich habe kaum Zeit Fotos zu schießen. Will den Rest der Truppe nicht unnötig aufhalten. Müssen sie doch oft genug auf mich warten - die jungen Kerle! Wir kommen an kleinen Feldern vorbei, die harmonisch in die Landschaft eingebettet sind. Erdbeeren, Avocado, Koriander, Knoblauch, Erbsen, Blumenkohl - jede Menge Gemüse. Vorbei an einem kleinen Stausee, aus dem Kalaw sein Wasser bekommt. Wir machen eine kurze Rast.
Dann geht es weiter durch dichten Dschungel. Es wird verdammt steil und rutschig. Bei mir wird wird immer wieder die Luft knapp. Zumal wir uns inzwischen auf über 1800 Metern befinden. Gegen 13 Uhr überqueren wir den ersten Bergkamm.

Hier gibt es ein paar Hütten und etwas, das wie ein Restaurant aussieht. Zum Lunch gibt es Avocado-Suppe und Pfannkuchen mit einer undefinierbaren, gelben Gemüsemischung. Wer Hunger hat fragt nicht und genießt. Dazu noch eine frische Avocado, die mit etwas Salz vorzüglich schmeckt. Als wir aufbrechen, "erwische" ich den Sohn des Hauses dabei, wie er beim Tisch abdecken leere Cola-Dosen aussaugt.

Jetzt geht es zunächst zügig bergab - dem ersten Dorf entgegen. Mir schwant nichts Gutes. Denn dahinter lauert die nächste Bergkette. Die müssen wir vor dem Abend hinter uns lassen. Das Dorf besteht überwiegend aus festen Häusern und bietet wenig Futter für die Kamera. Den Mädchen am Wegrand will ich nichts abkaufen. Mein Rucksack ist nach 5 Stunden auch so schon schwer genug. Außerdem habe ich keine Zeit zum Feilschen :-).

Rundum gibt es Teeplantagen und zu meiner Überraschung Orangen-Haine. Beim Aufstieg zum nächsten Dorf falle ich wieder deutlich zurück. So morsch habe ich mich lange nicht gefühlt.

Ab jetzt schaue ich nur noch auf die nächsten paar Meter vor meiner Nase. Der Weg soll ja angeblich das Ziel sein. Von dem sind wir aber noch gut 2 Stunden Fußmarsch entfernt. Jedenfalls vom Ziel für Tag 1 der Tour. Ab und zu kommen uns Einheimische entgegen, die wesentlich besser zu Fuß sind und Gemüse oder Holz nach Hause schleppen.

Ich kämpfe immer wieder gegen den Wunsch, mich einfach hinzulegen und auszuruhen. Die Lust am Fotografieren ist mir längst vergangen. Auch ist mir längst gedämmert, dass ich den Inle-See nicht "per petes" erreichen werde.
Als wir uns endlich dem Dorf nähern, in dem wir die Nacht verbringen werden, setzte ich nur noch wie in Trance einen Fuß vor den anderen.

Auf allen Vieren klettere ich die letzten Stufen zum Schlafplatz hoch und strecke meine geschundenen Glieder aus. Der Chef des Hauses reicht mir einen starken Tee und Palmzuckerstücke. Er meint, das würde mich bis zum Abendessen wieder auf die Beine bringen. Er irrt. Vom Dinner kriege ich nichts mehr mit.
Als ich wieder zu mir komme, krähen schon die ersten Hähne. Ich habe gut geschlafen, aber es gibt kaum ein Körperteil, das nicht schmerzt. So werde ich nicht weiterlaufen können. Nicht mal die 2 Stunden, bis wir die Nationalstrasse kreuzen und ich ein Taxi oder einen Bus finden würde.

Während unser Herbergsvater das Frühstück bereitet, versucht Sunny, ein Motorrad für mich zu bestellen. Immer wieder bricht die Verbindung zusammen. Als es endlich geklappt hat, verabschieden sich meine Weggenossen und ziehen weiter. Ich lege mich wieder auf meine Decke und werde von den Kindern im Dorf interessiert beäugt.

Wahrscheinlich ist hier noch kein Touri gestrandet. Als ich eine gute Stunde später auf dem Sozius platz nehme - ohne Helm versteht sich - bin ich einfach nur froh, dass ich nicht laufen muss. Es geht über sandige Wege und unbefestigte Straßen zurück nach Kalaw.

Zum Glück gibt es fast keinen Gegenverkehr, denn es ist verdammt staubig hier. Als wir im Hotel ankommen, bin ich reif für eine Dusche - einschließlich Hemd und Hose. Meine "Drecking-Tour" ist zu Ende. Habe die Schnauze gestrichen voll. Ich lege die Beine hoch und freue mich, dass alle Touris auf Tour sind und das Internet relativ schnell ist. So kann ich endlich einen Tage alten Bericht online stellen.
11. Februar. Eigentlich wollte ich heute mit dem Zug zum Inle-See fahren. Aber nachdem ich die halbe Nacht dort verbracht habe, wo auch der Kaiser zu Fuß hingeht, bestelle ich doch lieber ein Taxi. Bevor er meinen Rucksack im Kofferraum verstaut, holt er erst mal seinen Golfsack raus. Ich schaue mir seine Hölzer an. Nagelneue Hightech-Waffen aus Karbon. Habe das Fabrikat noch nie gesehen. "Made in China..." sagt er, "...no expensive".
Wir lassen Kalaw hinter uns und überqueren den Bergrücken, der mir zwei Tage zuvor das Genick gebrochen hatte. Jedenfalls was das Trekking anbelangt. Dahinter erstreckt sich eine fruchtbare Ebene. Die Felder sind grün. Es scheint genügend Wasser zu geben. Die Menschen hier tragen meist Turban und bunte Umhängetaschen. Sie gehören zum Stamm der Pa-O und sprechen ihre eigene Sprache. Ihre Haut ist dunkler und ihre Gesichter unterscheiden sich deutlich von denen der Flachland-Burmesen.

Sie sind auch deutlich scheuer - insbesondere was Fotos betrifft.

Danach wird es nochmals richtig bergig. An der Strasse immer wieder Einheimische - meist Frauen- mit schwerem Gepäck auf dem Kopf.

In Shwenyaung verlassen wir die Nationalstraße in Richtung Nyaungshwe, der nördlichen Spitze des Sees. Hier residierten früher die Shan-Fürsten in ihren Teak-Palästen. Ich checke im Royal Teakwood Hotel ein, nehme das beste Zimmer mit eigener Terrasse und lasse es mir nach den Entbehrungen der Vortage gut gehen. Schließlich wollen die nächsten Tage auch einigermaßen geplant werden.
Schon in der ersten Stunde kommen mir Zweifel. Es geht bei flottem Tempo fast permanent bergauf. Puls geschätzte 150.

Immer wieder kommen uns Angehörige des Palaung-Stammes entgegen, die in verstreuten Dörfern in den umliegenden Bergen leben.

Ich habe kaum Zeit Fotos zu schießen. Will den Rest der Truppe nicht unnötig aufhalten. Müssen sie doch oft genug auf mich warten - die jungen Kerle! Wir kommen an kleinen Feldern vorbei, die harmonisch in die Landschaft eingebettet sind. Erdbeeren, Avocado, Koriander, Knoblauch, Erbsen, Blumenkohl - jede Menge Gemüse. Vorbei an einem kleinen Stausee, aus dem Kalaw sein Wasser bekommt. Wir machen eine kurze Rast.
Dann geht es weiter durch dichten Dschungel. Es wird verdammt steil und rutschig. Bei mir wird wird immer wieder die Luft knapp. Zumal wir uns inzwischen auf über 1800 Metern befinden. Gegen 13 Uhr überqueren wir den ersten Bergkamm.

Hier gibt es ein paar Hütten und etwas, das wie ein Restaurant aussieht. Zum Lunch gibt es Avocado-Suppe und Pfannkuchen mit einer undefinierbaren, gelben Gemüsemischung. Wer Hunger hat fragt nicht und genießt. Dazu noch eine frische Avocado, die mit etwas Salz vorzüglich schmeckt. Als wir aufbrechen, "erwische" ich den Sohn des Hauses dabei, wie er beim Tisch abdecken leere Cola-Dosen aussaugt.

Jetzt geht es zunächst zügig bergab - dem ersten Dorf entgegen. Mir schwant nichts Gutes. Denn dahinter lauert die nächste Bergkette. Die müssen wir vor dem Abend hinter uns lassen. Das Dorf besteht überwiegend aus festen Häusern und bietet wenig Futter für die Kamera. Den Mädchen am Wegrand will ich nichts abkaufen. Mein Rucksack ist nach 5 Stunden auch so schon schwer genug. Außerdem habe ich keine Zeit zum Feilschen :-).

Rundum gibt es Teeplantagen und zu meiner Überraschung Orangen-Haine. Beim Aufstieg zum nächsten Dorf falle ich wieder deutlich zurück. So morsch habe ich mich lange nicht gefühlt.

Ab jetzt schaue ich nur noch auf die nächsten paar Meter vor meiner Nase. Der Weg soll ja angeblich das Ziel sein. Von dem sind wir aber noch gut 2 Stunden Fußmarsch entfernt. Jedenfalls vom Ziel für Tag 1 der Tour. Ab und zu kommen uns Einheimische entgegen, die wesentlich besser zu Fuß sind und Gemüse oder Holz nach Hause schleppen.

Ich kämpfe immer wieder gegen den Wunsch, mich einfach hinzulegen und auszuruhen. Die Lust am Fotografieren ist mir längst vergangen. Auch ist mir längst gedämmert, dass ich den Inle-See nicht "per petes" erreichen werde.
Als wir uns endlich dem Dorf nähern, in dem wir die Nacht verbringen werden, setzte ich nur noch wie in Trance einen Fuß vor den anderen.

Auf allen Vieren klettere ich die letzten Stufen zum Schlafplatz hoch und strecke meine geschundenen Glieder aus. Der Chef des Hauses reicht mir einen starken Tee und Palmzuckerstücke. Er meint, das würde mich bis zum Abendessen wieder auf die Beine bringen. Er irrt. Vom Dinner kriege ich nichts mehr mit.
Als ich wieder zu mir komme, krähen schon die ersten Hähne. Ich habe gut geschlafen, aber es gibt kaum ein Körperteil, das nicht schmerzt. So werde ich nicht weiterlaufen können. Nicht mal die 2 Stunden, bis wir die Nationalstrasse kreuzen und ich ein Taxi oder einen Bus finden würde.

Während unser Herbergsvater das Frühstück bereitet, versucht Sunny, ein Motorrad für mich zu bestellen. Immer wieder bricht die Verbindung zusammen. Als es endlich geklappt hat, verabschieden sich meine Weggenossen und ziehen weiter. Ich lege mich wieder auf meine Decke und werde von den Kindern im Dorf interessiert beäugt.

Wahrscheinlich ist hier noch kein Touri gestrandet. Als ich eine gute Stunde später auf dem Sozius platz nehme - ohne Helm versteht sich - bin ich einfach nur froh, dass ich nicht laufen muss. Es geht über sandige Wege und unbefestigte Straßen zurück nach Kalaw.

Zum Glück gibt es fast keinen Gegenverkehr, denn es ist verdammt staubig hier. Als wir im Hotel ankommen, bin ich reif für eine Dusche - einschließlich Hemd und Hose. Meine "Drecking-Tour" ist zu Ende. Habe die Schnauze gestrichen voll. Ich lege die Beine hoch und freue mich, dass alle Touris auf Tour sind und das Internet relativ schnell ist. So kann ich endlich einen Tage alten Bericht online stellen.
11. Februar. Eigentlich wollte ich heute mit dem Zug zum Inle-See fahren. Aber nachdem ich die halbe Nacht dort verbracht habe, wo auch der Kaiser zu Fuß hingeht, bestelle ich doch lieber ein Taxi. Bevor er meinen Rucksack im Kofferraum verstaut, holt er erst mal seinen Golfsack raus. Ich schaue mir seine Hölzer an. Nagelneue Hightech-Waffen aus Karbon. Habe das Fabrikat noch nie gesehen. "Made in China..." sagt er, "...no expensive".
Wir lassen Kalaw hinter uns und überqueren den Bergrücken, der mir zwei Tage zuvor das Genick gebrochen hatte. Jedenfalls was das Trekking anbelangt. Dahinter erstreckt sich eine fruchtbare Ebene. Die Felder sind grün. Es scheint genügend Wasser zu geben. Die Menschen hier tragen meist Turban und bunte Umhängetaschen. Sie gehören zum Stamm der Pa-O und sprechen ihre eigene Sprache. Ihre Haut ist dunkler und ihre Gesichter unterscheiden sich deutlich von denen der Flachland-Burmesen.

Sie sind auch deutlich scheuer - insbesondere was Fotos betrifft.

Danach wird es nochmals richtig bergig. An der Strasse immer wieder Einheimische - meist Frauen- mit schwerem Gepäck auf dem Kopf.

In Shwenyaung verlassen wir die Nationalstraße in Richtung Nyaungshwe, der nördlichen Spitze des Sees. Hier residierten früher die Shan-Fürsten in ihren Teak-Palästen. Ich checke im Royal Teakwood Hotel ein, nehme das beste Zimmer mit eigener Terrasse und lasse es mir nach den Entbehrungen der Vortage gut gehen. Schließlich wollen die nächsten Tage auch einigermaßen geplant werden.
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