Dienstag, 4. Februar 2014
Im Herzen Myanmars
Sonntag früh werde ich um 8 Uhr von meinem Taxi abgeholt. Es ist zwar nicht der Jeep, den ich gebucht hatte, aber mein Fahrer, der sich als Pete vorstellt, spricht dafür ganz gut Englisch. Wir stimmen kurz die Tour ab. Hier im Herzen Myanmars, an einer Biegung des Ayeyarwady-Flusses, reihen sich die alten Königsstädte Mandalay, Sagaing, Amarapura und Inwa aneinander. Die von zahllosen Pagoden geprägte Region war nach dem Fall von Bagan das kulturelle Zentrum des Landes.
Wir fahren zunächst zur Mahamuni-Pagode im Süden von Mandalay. Dort steht die heiligste aller Buddha-Figuren den Landes. Sie wurde einst in Arakan geraubt und auf einer großen Barke nach Mandalay gebracht. Die letzten Kilometer über Land wurde sie von mehreren 100 Mann und von Elefanten auf einem Schlitten gezogen.

Mich erstaunt, wie dick und unförmig die Statue heute im Vergleich zu Bildern von früher ist. Pete meint, von den Pilgern seien in 200 Jahren über 200 Kilo Blattgold aufgeklebt worden. Runde 7 Millionen EURO müsste "das Fell" der Buddha-Figur heute Wert sein, wenn man es ihm über die Ohren ziehen könnte...! Bei einem Feuer vor 130 Jahren war es dem Burschen schon mal so heiß geworden, dass man hinterher über 10 Kilo Gold vom Boden kratzen konnte.

Ein Stück weiter werden junge Männer für die Mönchsweihe vorbereitet. Rund um die Pagode läuft die Buddha-Produktion auf vollen Touren. Kleine Marmorblöcke werden von Männern mit der Flex bearbeitet - ohne Mundschutz versteht sich. Wie Nebel liegt der Staub in der Luft. An anderer Stelle vernähen Frauen Tausende kleiner Glasperlen zu Bilderdecken. Mandalay ist das Zentrum der Handwerkskunst.

Wir fahren weiter nach Amarapura, dem größten Kloster des Landes. Pete parkt am Straßenrand neben dem See und ich wundere mich, dass ich keine Touris sehe. Schließlich sollen hier 1400 Mönche verköstigt werden - ein Ereignis, an dem keine Tour vorbeikommt. Aber keine Busse weit und breit. Wir betreten die Anlage durch einen unscheinbaren Eingang, vorbei an Open Air-Küchen und -Duschen.

Kaum ein Mönch ist zu sehen, nur leere Gebäude. Ich fürchte, Pete hat mich missverstanden. Dann weißt er mir eine Gasse nach rechts und da seh ich sie: Tausend Touris, die auf über Tausend Mönche warten! Pete hatte mich durch einen Hintereingang geschleust und jetzt bin ich ganz vorne mit dabei.
Eine endlose Schlange brauner, meist noch sehr junger Gestalten zieht barfuß in Zweierreihen vorbei - ohne ein Wort auf den Lippen - die Essengefäße im Arm. Unzählige Kameras klicken.

Als der letzte Mönch im Versammlungsraum verschwunden ist, zieht der Touristenstrom zum Haupteingang. Ich schlendere zurück durch die Hinterhöfe und sehe, wie Mönche jetzt einzeln oder in kleinen Gruppen mit vollen Schüsseln in ihre Behausungen zurückkehren.

Wir fahren weiter nach Sagaing. Beim Überqueren der neuen Ayeyarwady-Brücke fällt der Blick auf eine Hügelgruppe, die mit goldglänzenden Pagoden geschmückt ist wie ein Weihnachtsbaum mit Kerzen. Pete parkt am Fuß des Hügels und sagt "Take your time". Es ist inzwischen früher Nachmittag und ziemlich warm.

Ich beginne den Aufstieg über eine endlos scheinende Treppe, die im Hintergrund ihren Anfang nimmt. Zum Glück spendet Ein Dach Schatten in der Mittagshitze. Sieht nach einem weiteren Lungenfunktions-Test für mich aus :-). Oben genieße ich den Ausblick.

Die vielen Pagoden, die ich gesehen habe, sind in meinem Kopf längst zu einer einzigen verschmolzen. Sprich - ich weiß fast nicht mehr, was ich wo gesehen habe.

Aber der Ausblick hier über die Hügelkette ist einzigartig. Einzelne Pagoden sind durch einen überdachten Fußweg miteinander verbunden. Ich schaffe nur einen Teil - dann habe ich genug gesehen für den Tag...! Reizüberflutung nennt man das.

Auf dem Weg nach unten fällt mein Blick auf eine Mutter mit Kind. Sind es nicht eigentlich die Menschen, um die es geht? Sie ist vermutlich viel jünger als sie aussieht und scheint bettelarm. Ich mache ein Foto und drücke ihr 2 Dollar in die Hand. Ihr Lachen habe ich dann leider nicht mehr eingefangen.

Gegen Abend treffe ich die 1000 Touris vom Amarapura-Kloster wieder - zum unausweichlichen Sonnenuntergang an der U-Bein-Bride.

Sie ist mit 1200 Metern die längste Teakholz-Brücke der Welt und wurde Mitte des 19 Jahrhunderts aus Pfählen der alten Hauptstadt Inwa erbaut. Angesichts der Touri-Flut verzichte ich auf einen Spaziergang durch die kleinen Dörfer auf der anderen Seite und warte in einem kleinen Pavillion auf halber Strecke auf den Sonnenuntergang. Ich denke es hat sich gelohnt...

... link (0 Kommentare)   ... comment


On the Road to Mandalay
Samstag früh 4:45. Der Fahrer im einzigen Taxi vor meinem Hotel in Rangun schläft tief und fest. Aber es gibt keine Gnade. Beim Check-In am Flughafen wird mir klar, dass er mir das übel genommen hat. Gefühlte 2 km Fußmarsch zur nationalen Abflughalle, weil er mich am International Terminal abgesetzt hat. Das fängt ja gut an. Statt in der erwarteten Propellermaschine sitze ich wenig später in einem recht neuen A320 der Golden Myanmar Airways. Also wohl doch ein guter Tag.
Am Flughafen nehme ich den ersten Taxifahrer, der mir vor die Füße kommt. Lustiger Typ mit Pudelmütze und Handschuhen. Auf dem Weg zum Auto wird mir klar warum. Es ist richtig kalt hier - wohl nicht viel mehr 12 Grad.

Mein Hotel liegt an der südöstlichen Ecke der alten Stadtmauer, die den ehemaligen Königspalast umgibt.

Sie hat eine Seitenlänge von knapp 2000m und ist nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Jeweils in der Mitte führt eine Brücke über den 52m breiten Stadtgraben. Ich mache mich auf zum Osteingang und erreiche nach einem weiteren Kilometer Fußmarsch den Palast im Zentrum. Oder besser gesagt das, was man nach seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg wieder aufgebaut hat.

Von einem Guide erfahre ich angesichts eines kleinen, kaum 90cm breiten "Queen Size Betts", dass die Königin immer alleine geschlafen hat.

Der König habe in ständiger Angst vor Intrigen gelebt und fast nie seine Gemächer verlassen. War natürlich auch naiv von ihm anzunehmen, dass es bei zwei Haupt- und 60 Nebenfrauen ohne Intrigen abgehen würde...!
Inzwischen bin ich reif für ein Taxi und lasse mich zum Mandalay Hill kutschieren - und zwar gleich ziemlich nach oben.


Auf dem Hügel, dem Mandalay seinen Namen verdankt, soll einst Buddha geweilt haben. Zu seiner Ehre wurden viele kleinere und eine größere Pagode errichtet. Ich genieße den Blick über die Stadt und das Hinterland und bleibe, bis die Sonne untergeht.

Nach dem Dinner laufe ich noch kurz über den wenig aufregenden Night Market, bevor ich mich auf einer Fahrradrikscha nach Hause kutschieren lasse. Es war ein langer Tag.

... link (0 Kommentare)   ... comment