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Dienstag, 11. Februar 2014
Von Kalaw zum Inle-See
rzim22, 17:42h
9. Februar. Um 8 Uhr früh werden wir von Sunny im Hotel abgeholt. Er soll für die nächsten 3 Tage unser Guide sein. Er hat mir einen kleinen Rucksack mitgebracht, damit ich keinen unnötigen Ballast schleppen muss. Meinen großen soll ich am Ziel bekommen, wenn Sunny mit dem Auto abgeholt wird.
Schon in der ersten Stunde kommen mir Zweifel. Es geht bei flottem Tempo fast permanent bergauf. Puls geschätzte 150.

Immer wieder kommen uns Angehörige des Palaung-Stammes entgegen, die in verstreuten Dörfern in den umliegenden Bergen leben.

Ich habe kaum Zeit Fotos zu schießen. Will den Rest der Truppe nicht unnötig aufhalten. Müssen sie doch oft genug auf mich warten - die jungen Kerle! Wir kommen an kleinen Feldern vorbei, die harmonisch in die Landschaft eingebettet sind. Erdbeeren, Avocado, Koriander, Knoblauch, Erbsen, Blumenkohl - jede Menge Gemüse. Vorbei an einem kleinen Stausee, aus dem Kalaw sein Wasser bekommt. Wir machen eine kurze Rast.
Dann geht es weiter durch dichten Dschungel. Es wird verdammt steil und rutschig. Bei mir wird wird immer wieder die Luft knapp. Zumal wir uns inzwischen auf über 1800 Metern befinden. Gegen 13 Uhr überqueren wir den ersten Bergkamm.

Hier gibt es ein paar Hütten und etwas, das wie ein Restaurant aussieht. Zum Lunch gibt es Avocado-Suppe und Pfannkuchen mit einer undefinierbaren, gelben Gemüsemischung. Wer Hunger hat fragt nicht und genießt. Dazu noch eine frische Avocado, die mit etwas Salz vorzüglich schmeckt. Als wir aufbrechen, "erwische" ich den Sohn des Hauses dabei, wie er beim Tisch abdecken leere Cola-Dosen aussaugt.

Jetzt geht es zunächst zügig bergab - dem ersten Dorf entgegen. Mir schwant nichts Gutes. Denn dahinter lauert die nächste Bergkette. Die müssen wir vor dem Abend hinter uns lassen. Das Dorf besteht überwiegend aus festen Häusern und bietet wenig Futter für die Kamera. Den Mädchen am Wegrand will ich nichts abkaufen. Mein Rucksack ist nach 5 Stunden auch so schon schwer genug. Außerdem habe ich keine Zeit zum Feilschen :-).

Rundum gibt es Teeplantagen und zu meiner Überraschung Orangen-Haine. Beim Aufstieg zum nächsten Dorf falle ich wieder deutlich zurück. So morsch habe ich mich lange nicht gefühlt.

Ab jetzt schaue ich nur noch auf die nächsten paar Meter vor meiner Nase. Der Weg soll ja angeblich das Ziel sein. Von dem sind wir aber noch gut 2 Stunden Fußmarsch entfernt. Jedenfalls vom Ziel für Tag 1 der Tour. Ab und zu kommen uns Einheimische entgegen, die wesentlich besser zu Fuß sind und Gemüse oder Holz nach Hause schleppen.

Ich kämpfe immer wieder gegen den Wunsch, mich einfach hinzulegen und auszuruhen. Die Lust am Fotografieren ist mir längst vergangen. Auch ist mir längst gedämmert, dass ich den Inle-See nicht "per petes" erreichen werde.
Als wir uns endlich dem Dorf nähern, in dem wir die Nacht verbringen werden, setzte ich nur noch wie in Trance einen Fuß vor den anderen.

Auf allen Vieren klettere ich die letzten Stufen zum Schlafplatz hoch und strecke meine geschundenen Glieder aus. Der Chef des Hauses reicht mir einen starken Tee und Palmzuckerstücke. Er meint, das würde mich bis zum Abendessen wieder auf die Beine bringen. Er irrt. Vom Dinner kriege ich nichts mehr mit.
Als ich wieder zu mir komme, krähen schon die ersten Hähne. Ich habe gut geschlafen, aber es gibt kaum ein Körperteil, das nicht schmerzt. So werde ich nicht weiterlaufen können. Nicht mal die 2 Stunden, bis wir die Nationalstrasse kreuzen und ich ein Taxi oder einen Bus finden würde.

Während unser Herbergsvater das Frühstück bereitet, versucht Sunny, ein Motorrad für mich zu bestellen. Immer wieder bricht die Verbindung zusammen. Als es endlich geklappt hat, verabschieden sich meine Weggenossen und ziehen weiter. Ich lege mich wieder auf meine Decke und werde von den Kindern im Dorf interessiert beäugt.

Wahrscheinlich ist hier noch kein Touri gestrandet. Als ich eine gute Stunde später auf dem Sozius platz nehme - ohne Helm versteht sich - bin ich einfach nur froh, dass ich nicht laufen muss. Es geht über sandige Wege und unbefestigte Straßen zurück nach Kalaw.

Zum Glück gibt es fast keinen Gegenverkehr, denn es ist verdammt staubig hier. Als wir im Hotel ankommen, bin ich reif für eine Dusche - einschließlich Hemd und Hose. Meine "Drecking-Tour" ist zu Ende. Habe die Schnauze gestrichen voll. Ich lege die Beine hoch und freue mich, dass alle Touris auf Tour sind und das Internet relativ schnell ist. So kann ich endlich einen Tage alten Bericht online stellen.
11. Februar. Eigentlich wollte ich heute mit dem Zug zum Inle-See fahren. Aber nachdem ich die halbe Nacht dort verbracht habe, wo auch der Kaiser zu Fuß hingeht, bestelle ich doch lieber ein Taxi. Bevor er meinen Rucksack im Kofferraum verstaut, holt er erst mal seinen Golfsack raus. Ich schaue mir seine Hölzer an. Nagelneue Hightech-Waffen aus Karbon. Habe das Fabrikat noch nie gesehen. "Made in China..." sagt er, "...no expensive".
Wir lassen Kalaw hinter uns und überqueren den Bergrücken, der mir zwei Tage zuvor das Genick gebrochen hatte. Jedenfalls was das Trekking anbelangt. Dahinter erstreckt sich eine fruchtbare Ebene. Die Felder sind grün. Es scheint genügend Wasser zu geben. Die Menschen hier tragen meist Turban und bunte Umhängetaschen. Sie gehören zum Stamm der Pa-O und sprechen ihre eigene Sprache. Ihre Haut ist dunkler und ihre Gesichter unterscheiden sich deutlich von denen der Flachland-Burmesen.

Sie sind auch deutlich scheuer - insbesondere was Fotos betrifft.

Danach wird es nochmals richtig bergig. An der Strasse immer wieder Einheimische - meist Frauen- mit schwerem Gepäck auf dem Kopf.

In Shwenyaung verlassen wir die Nationalstraße in Richtung Nyaungshwe, der nördlichen Spitze des Sees. Hier residierten früher die Shan-Fürsten in ihren Teak-Palästen. Ich checke im Royal Teakwood Hotel ein, nehme das beste Zimmer mit eigener Terrasse und lasse es mir nach den Entbehrungen der Vortage gut gehen. Schließlich wollen die nächsten Tage auch einigermaßen geplant werden.
Schon in der ersten Stunde kommen mir Zweifel. Es geht bei flottem Tempo fast permanent bergauf. Puls geschätzte 150.

Immer wieder kommen uns Angehörige des Palaung-Stammes entgegen, die in verstreuten Dörfern in den umliegenden Bergen leben.

Ich habe kaum Zeit Fotos zu schießen. Will den Rest der Truppe nicht unnötig aufhalten. Müssen sie doch oft genug auf mich warten - die jungen Kerle! Wir kommen an kleinen Feldern vorbei, die harmonisch in die Landschaft eingebettet sind. Erdbeeren, Avocado, Koriander, Knoblauch, Erbsen, Blumenkohl - jede Menge Gemüse. Vorbei an einem kleinen Stausee, aus dem Kalaw sein Wasser bekommt. Wir machen eine kurze Rast.
Dann geht es weiter durch dichten Dschungel. Es wird verdammt steil und rutschig. Bei mir wird wird immer wieder die Luft knapp. Zumal wir uns inzwischen auf über 1800 Metern befinden. Gegen 13 Uhr überqueren wir den ersten Bergkamm.

Hier gibt es ein paar Hütten und etwas, das wie ein Restaurant aussieht. Zum Lunch gibt es Avocado-Suppe und Pfannkuchen mit einer undefinierbaren, gelben Gemüsemischung. Wer Hunger hat fragt nicht und genießt. Dazu noch eine frische Avocado, die mit etwas Salz vorzüglich schmeckt. Als wir aufbrechen, "erwische" ich den Sohn des Hauses dabei, wie er beim Tisch abdecken leere Cola-Dosen aussaugt.

Jetzt geht es zunächst zügig bergab - dem ersten Dorf entgegen. Mir schwant nichts Gutes. Denn dahinter lauert die nächste Bergkette. Die müssen wir vor dem Abend hinter uns lassen. Das Dorf besteht überwiegend aus festen Häusern und bietet wenig Futter für die Kamera. Den Mädchen am Wegrand will ich nichts abkaufen. Mein Rucksack ist nach 5 Stunden auch so schon schwer genug. Außerdem habe ich keine Zeit zum Feilschen :-).

Rundum gibt es Teeplantagen und zu meiner Überraschung Orangen-Haine. Beim Aufstieg zum nächsten Dorf falle ich wieder deutlich zurück. So morsch habe ich mich lange nicht gefühlt.

Ab jetzt schaue ich nur noch auf die nächsten paar Meter vor meiner Nase. Der Weg soll ja angeblich das Ziel sein. Von dem sind wir aber noch gut 2 Stunden Fußmarsch entfernt. Jedenfalls vom Ziel für Tag 1 der Tour. Ab und zu kommen uns Einheimische entgegen, die wesentlich besser zu Fuß sind und Gemüse oder Holz nach Hause schleppen.

Ich kämpfe immer wieder gegen den Wunsch, mich einfach hinzulegen und auszuruhen. Die Lust am Fotografieren ist mir längst vergangen. Auch ist mir längst gedämmert, dass ich den Inle-See nicht "per petes" erreichen werde.
Als wir uns endlich dem Dorf nähern, in dem wir die Nacht verbringen werden, setzte ich nur noch wie in Trance einen Fuß vor den anderen.

Auf allen Vieren klettere ich die letzten Stufen zum Schlafplatz hoch und strecke meine geschundenen Glieder aus. Der Chef des Hauses reicht mir einen starken Tee und Palmzuckerstücke. Er meint, das würde mich bis zum Abendessen wieder auf die Beine bringen. Er irrt. Vom Dinner kriege ich nichts mehr mit.
Als ich wieder zu mir komme, krähen schon die ersten Hähne. Ich habe gut geschlafen, aber es gibt kaum ein Körperteil, das nicht schmerzt. So werde ich nicht weiterlaufen können. Nicht mal die 2 Stunden, bis wir die Nationalstrasse kreuzen und ich ein Taxi oder einen Bus finden würde.

Während unser Herbergsvater das Frühstück bereitet, versucht Sunny, ein Motorrad für mich zu bestellen. Immer wieder bricht die Verbindung zusammen. Als es endlich geklappt hat, verabschieden sich meine Weggenossen und ziehen weiter. Ich lege mich wieder auf meine Decke und werde von den Kindern im Dorf interessiert beäugt.

Wahrscheinlich ist hier noch kein Touri gestrandet. Als ich eine gute Stunde später auf dem Sozius platz nehme - ohne Helm versteht sich - bin ich einfach nur froh, dass ich nicht laufen muss. Es geht über sandige Wege und unbefestigte Straßen zurück nach Kalaw.

Zum Glück gibt es fast keinen Gegenverkehr, denn es ist verdammt staubig hier. Als wir im Hotel ankommen, bin ich reif für eine Dusche - einschließlich Hemd und Hose. Meine "Drecking-Tour" ist zu Ende. Habe die Schnauze gestrichen voll. Ich lege die Beine hoch und freue mich, dass alle Touris auf Tour sind und das Internet relativ schnell ist. So kann ich endlich einen Tage alten Bericht online stellen.
11. Februar. Eigentlich wollte ich heute mit dem Zug zum Inle-See fahren. Aber nachdem ich die halbe Nacht dort verbracht habe, wo auch der Kaiser zu Fuß hingeht, bestelle ich doch lieber ein Taxi. Bevor er meinen Rucksack im Kofferraum verstaut, holt er erst mal seinen Golfsack raus. Ich schaue mir seine Hölzer an. Nagelneue Hightech-Waffen aus Karbon. Habe das Fabrikat noch nie gesehen. "Made in China..." sagt er, "...no expensive".
Wir lassen Kalaw hinter uns und überqueren den Bergrücken, der mir zwei Tage zuvor das Genick gebrochen hatte. Jedenfalls was das Trekking anbelangt. Dahinter erstreckt sich eine fruchtbare Ebene. Die Felder sind grün. Es scheint genügend Wasser zu geben. Die Menschen hier tragen meist Turban und bunte Umhängetaschen. Sie gehören zum Stamm der Pa-O und sprechen ihre eigene Sprache. Ihre Haut ist dunkler und ihre Gesichter unterscheiden sich deutlich von denen der Flachland-Burmesen.

Sie sind auch deutlich scheuer - insbesondere was Fotos betrifft.

Danach wird es nochmals richtig bergig. An der Strasse immer wieder Einheimische - meist Frauen- mit schwerem Gepäck auf dem Kopf.

In Shwenyaung verlassen wir die Nationalstraße in Richtung Nyaungshwe, der nördlichen Spitze des Sees. Hier residierten früher die Shan-Fürsten in ihren Teak-Palästen. Ich checke im Royal Teakwood Hotel ein, nehme das beste Zimmer mit eigener Terrasse und lasse es mir nach den Entbehrungen der Vortage gut gehen. Schließlich wollen die nächsten Tage auch einigermaßen geplant werden.
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