Samstag, 8. Februar 2014
Bagan - Begegnung mit 1000 Jahren Geschichte

Der Aufstieg Bagans zur einst größten buddhistischen Metropole der Welt begann 1057 mit der Einnahme der Mon-Hauptstadt Thaton durch König Anawrahta. Die gesamte Elite Thatons wurde nach Bagan deportiert, wo sie die frühe Kultur des Reiches prägten. Das Knowhow der verschleppten Handwerker und Architekten des Mon-Volkes befeuerte den Baurausch der Könige von Bagan. Er endete mit dem Fall des ersten burmesischen Reiches 240 Jahre später. Wer Lust hat, kann noch weiter googeln...!

4. Februar 5 Uhr 30. Hatte mir am Vorabend gleich nach der Ankunft noch einen Drahtesel organisiert und radle im Stockdunkeln dem Sonnenaufgang entgegen. Irgend wo links soll sich unter 2000 Pagoden die eine finden, von der aus der Sonnenaufgang besonders malerisch sein soll. Vermutlich ist sie unter Touris aber auch deshalb so beliebt, weil sich neben der steilen Treppe ein Handlauf befindet - für all jene, die nicht ganz schwindelfrei sind.
Viel früher als erwartet sehe ich ein paar Irrlichter links der Straße und frage, ob dies der Weg zur Pagode sei. Eine kleine Gruppe von Chinesen cheint zu wissen, wo es langgeht. Ausgestattet mit Kopfleuchte Beginnen sie schon mit dem Aufstieg, bevor ich den Fuß der Pagode erreiche. Jetzt fällt mir ein, wofür ich die Taschenlampe gebrauchen könnte, die ich in meinem Rucksack habe. Es ist so finster, dass ich Mühe habe, den Treppenaufgang zu finden. Vom Handlauf ganz zu schweigen. Ich beginne den Aufstieg auf allen Vieren. Die Treppe kommt mir verteufelt steil vor. Die Stufen dürften an die 30cm hoch aber nur gut 15cm tief sein. Hinter mir beginnen weitere, ebenfalls professionell ausgestattete Touris mit dem Aufstieg. So kann ich zumindest die Kontur der Treppe erkennen. Auf der oberen Plattform ringe ich nach Luft. Ich sehe das Licht eines Hubschraubers, der sehr eigenartige Flugbewegungen ausführt. Zu hören ist nichts. Dann fliegt er nur noch kleine Kreise. Der Horizont wird heller und mir schwant, dass es die Venus sein koennte.

Vorsichtshalber lehne ich mich rücklings gegen die Spitze der Pagode - sicher ist sicher. Hatte zwar schon lange keine Kreislaufprobleme mehr, aber hier ist definitiv nicht der Ort, wo man welche haben möchte.

Langsam geht die Sonne auf und färbt die Pagoden im Blickfeld rot. Ist schon ein gigantischer Anblick. Ich fange an, zum Zeitvertreib die vielen Spitzen zu zaehlen. Bei 200 höre ich auf und mache einen Rundgang.

Südlich von uns steigen Heissluftballons auf - aber das eigentliche Spektakel ist schon gelaufen. Zeit, das Fruehstueck im Hotel zu probieren.
Am Nachmittag fahre ich am Fluss entlang durchs Dorf. Spielende Kinder, junge Mütter, staubige Wege.


Frauen und Kinder haben eigenartige beigefarbene Flecken im Gesicht. In Rangun hatte ich zunächst noch vermutet, es handele sich um eine Verletzung. Inzwischen weiß ich, es ist ein Sonnenschutz, der aus Palmzucker hergestellt wird und gut riechen soll. Ich nehme noch einen Drink in einem netten Restaurant am Ufer und radle zurück. Habe genug vom Drahtesel. Morgen wird es eine Pferdekutsche.

5. Februar 4:45. Laute Musik beendet meine Nachtruhe. Ich vermute, dass um diese Zeit Mönche am Hotel vorbeiziehen könnten, springe in meine Klamotten und schnappe meine Kamera. Aber vor dem Hotel rührt sich nichts. Ich folge der Musik in eine Seitenstraße. Dort wird gerade eine große Menge Curry gekocht und ein Hochzeitszelt geschmückt. Die Leute sind sehr freundlich und in guter Stimmung. Kein Wunder bei der Musik. Man hält mir ein Glas mit goldgelben Inhalt hin. Sieht aus wie Tee, ist aber vermutlich Schnaps mit Honig. Nicht schlecht an diesem kalten Morgen. Um 8 Uhr soll die Feier beginnen. Ich verspreche zu kommen. Der Hühnchen-Curry schmeckt ausgezeichnet. Die Braut ist ganz hübsch. Der Brautvater stellt mir die kleine Schwester vor, die alles in den Schatten stellt. Ich ernte ein Lächeln - kann aber nicht länger bleiben. Mein Pferd wartet...!


Um 8:30 wiehert Suzu vor dem Hotel. Sie wird mich heute zu einigen der 2229 Pagoden-Ruinen kutschieren, die von der UNESCO registriert wurden.

Die Pagoden hier sind alle über 700 Jahre alt und aus roten Ziegeln erbaut. Es wird vermutet, dass es in der Ebene deshalb so wenig Bäume gibt, weil alles Holz zum Ziegelbrennen verbraucht wurde. Die edleren Pagoden sind innen mit in Stein gemeißelten Bildern von Göttern und Dämonen verblendet oder mit Wandmalereien verziert. Und in jeder lächelt ein Buddha auf Gläubige und Touristen herab - jedenfalls in den Größeren.

Aber es ist nicht die Schönheit einzelner Objekte, die Bagan auf die Warteliste zum Weltkulturerbe gebracht hat. Bagan ist ein Gesamtkunstwerk, das es so nirgends auf der Erde gibt.

Rund um die Tempel ist ein geschäftiges Treiben. Überall werden Souvenirs angeboten. Vor allem Sandmalerei und Lackarbeiten sind hier heimisch.

Aber es wird nicht nur verkauft. Im Schatten der Pagoden kann man die flinken Hände auch bei der Arbeit sehen. Jedes kleine Detail, jeder einzelne Pinselstrich - alles 100% Handarbeit.

Nach einer längeren Rast bei einem Glas frisch gepressten Zuckerrohrsaft trabt Suzu dem ultimativen Sonnenuntergang entgegen.

Hier steht also die Pagode, die ich gestern früh verpasst habe. Und neben ihr stehen an die 20 große Reisebusse. Auf der Plattform oben ist es so voll, dass man kaum eine Lücke für sein Objektiv findet.


Trotzdem: der Sonnenuntergang ist ein Foto wert - und Bagan sicher eine Reise!

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