Samstag, 15. Februar 2014
Auf dem Inle-See
Nyaungshwe ist eine Touristenhochburg mit vielen Restaurants und Hotels. Ich bestelle mir ein Boot für den nächsten Tag, um den knapp 20km langen See erkunden zu können. Als ich am Kanal eintreffe, der das Städtchen mit dem See verbindet, herrscht ein reges Treiben. Ein Langboot nach dem anderen düst mit Touris beladen gen Süden. Die entgegenkommenden Boote der Einheimischen Inthas sind oft so beladen, dass die Seitenwände kaum über dem Wasserspiegel bleiben. Wenn sich dann noch ein ganz schneller zwischen durch zwängt, darf Wasser geschöpft werden...!

Es ist merklich wärmer als die Tage zuvor. Wir befinden uns auf "nur noch" 900 Metern Höhe und der See scheint die Wärme zu speichern. Er ist in der Trockenzeit mit 2m Tiefe relativ flach und stark mit Algen und Wasserhyazinthen bewachsen. Weil für den Fischfang nur sehr begrenzt Netze eingesetzt werden können, haben die Fischer hier eine ganz eigene Technik entwickelt. Sie stoßen zunächst einen langen Bambuskorb bis auf den Grund.

Mit einem Stock scheuchen sie Fische auf, die sich dann in einem Netz verfangen, das im Korb an Metallringen heruntergelassen werden kann. Um die Hände frei zu haben für diese komplizierte Technik, balancieren sie mit einem Bein auf dem wackligen Kahn und bewegen das meist unter der Achsel fixierte Paddel mit dem Fuß.

Eine andere Besonderheit, mit der die Inthas ihren Lebensunterhalt verdienen, sind Schwimmende Gärten. Die vielen Wasserhyazinthen bilden einen dichten Teppich, in dessen Wurzeln sich angeschwemmter Schlamm zu einer Erdschicht verdichtet. So entsteht auf natürliche Weise eine dicke Humusschicht, die in längliche Streifen geschnitten und an Stangen fixiert wird. Dazwischen ist Platz für die schlanken Boote, von denen aus die "Beete" bestellt werden.

Neben Blumen werden überwiegend Tomaten, Gurken, Erbsen und Bohnen angebaut. Gießen jedenfalls müssen die Inthas ihre Gärten nicht.

Manchmal werden auf diese Teppiche als Dünger noch Algen und Schlamm geladen.
Die Häuser am See stehen überwiegend auf Teakholz-Stelzen. In manchen Dörfern sind sie durch lange Stege mit dem Festland verbunden, die ebenfalls auf Stelzen stehen. Aber kein Zweifel, dass Boot ist das Hauptverkehrsmittel hier und der See mitsamt seinen vielen Verbindungskanälen ersetzt das Strassennetz. In der "Garage" unterm Haus sind die Langboote geparkt, sofern sie nicht gerade im Garten unterwegs sind. Oder mit Obst und Souvenirs beladen Jagd auf Touristen machen.

In einem der Dörfer entdecke ich zwei Männer, die einen rund 5 Meter langen Teakholzstamm in 3 Zentimeter dicke Bretter sägen. Von Hand versteht sich. Und das mit unglaublicher Präzision. Alle paar Minuten machen sie eine kurze Pause, kühlen die Säge mit Wasser und schieben einen Keil nach, der verhindert, dass die Säge klemmt. Hätte nie gedacht, dass man einen so langen Stamm von Hand in perfekte Bretter sägen kann. Die Bretter werden für den Bau von Langbooten gebraucht. Bin beeindruckt.

Wir fahren weiter und machen Halt an einem deutlich größeren Haus. Da bereits mehrere Touri-Boote da sind, vermute ich ein Restaurant. Ich geh von Bord - ein erster Hunger regt sich. Ich werde von einer netten kleinen Verkäuferin schnell aufgeklärt. Hier ist eine Weberei, die in uralter Technik aus Lotus und Seide ultraleichte Schals herstellt. Lotus??? Was hat eine Blume denn mit Seide zu tun. Und in der Tat. Eine Arbeiterin bricht den Lotusstengel in zwei Zentimeter lange Stückchen und zieht daraus mehrere Fäden. Auf einem kleinen Tisch verwirbelt sie die neuen Fäden mit den "alten" und erhält so in mühevoller Handarbeit schließlich einen langen, dünnen Faden, der in weiteren Schritten noch geglättet wird. Ich erfahre, dass Lotusfäden 7 Mal teurer sind als Seide und ahne, dass am Ende der Produktionsräume unausweichlich der Verkaufsraum lauert. Trotzdem.

Es ist beeindruckend, was auf 200 Jahre alten Webstühlen von Hand produziert werden kann. Als ich am Ende des Rundgangs einen federleichten Schal aus Lotus und Seide in Händen halte, kann ich nicht widerstehen. Ein so schönes Teil habe ich noch nie gesehen - und geben tut es das nur hier. Da kann ich auch nicht beurteilen, ob 75 Dollar nun angemessen sind oder nicht. Ich geh mal davon aus, es handelt sich um einen günstigen "Outlet-Preis"!
Nach dem Essen schippern wir gemütlich durch die Kanäle. Ich hätte längst meine Orientierung verloren. In einem der Häuser sehen wir eine Gruppe von Giraffenfrauen. Angeblich wollten sie sich durch die Metallringen in früheren Zeiten unattraktiv machen, um nicht von Sklavenhändlern mitgenommen zu werden. Zumindest bei der Alten ist das bestens gelungen.

Ich erkläre der Kleinen, dass sie sich die Tante genau anschauen soll - als abschreckendes Beispiel. Sie verspricht, höchstens noch einen weiteren Ring draufsatteln zu lassen. Und ich drohe damit, dies spätestens in drei Jahren überprüfen zu wollen :-)! Dann taucht, ich hatte es schon fast vergessen, doch noch die "Pagode der königlichen Barke“ auf. Sie ist Ziel jeder touristischen Bootsfahrt. Aber ich habe genug Pagoden gesehen und verzichte auf Fotos...

Auf der Rückfahrt lasse ich mir den kühlen Wind um die Ohren wehen und beschließe, den Abend im besten Restaurant am Ort ausklingen zu lassen. Als ich mich nach vorzüglicher myanmarischer Küche gegen 21:30 auf den Heimweg mache, sind die Bordsteine im Dorf schon hochgeklappt - insbesondere in der einzigen Cocktailbar, die zuvor noch auf einer Kreidetafel Caipi angepriesen hatte.

16. Februar. Für heute ist eine Radtour geplant. Eigentlich hatte ich vor, ein Weingut am Berg zu besuchen, von dem aus man einen herrlichen Ausblick haben soll. Zumindest haben die beiden Französinnen in Bagan sehr davon geschwärmt. Wobei ich vermute, dass sie primär den Wein im Blick hatten. Da mein Bedarf an Klettertouren nachhaltig gestillt ist, lenke ich den Drahtesel ans Westufer des Sees. Dort gibt es heiße Quellen und ein schönes SPA, auf das ich es abgesehen habe. Ich fahre auf staubiger Straße durch kleine Dörfer, die einen ziemlich ursprünglichen Eindruck machen. Die Morgentoilette findet generell an den Kanälen statt.

Dann gerate ich völlig unvorbereitet in ein riesiges Dorffest unterhalb einer Pagode. Es ist Vollmond und außerdem Samstag. Und der Mon-Staat feiert 65. Geburtstag. Zu Fuss, mit Booten, Motorrädern und Autos strömen die Einheimischen zusammen.

Die Frauen in bestes Tuch gehüllt und schön heraus geputzt.

Die schmale Straße ist auf gut einem Kilometer so verstopft, dass es nicht mal mit dem Fahrrad ein Durchkommen gibt. Rund 10.000 Menschen drängen sich auf 500 Metern Straße. Rund 1 Stunde Fahrzeit und jede Menge Körperkontakt. Dafür sind kaum Touristen da. Während die öffentlichen Thermalquellen völlig übervölkert sind, gibt es im SPA genügend freie Liegen. Ich entspanne den Rest des Tages im 40 Grad warmen Wasser und in horizontaler Lage - mit ein paar kühlen Drinks.

Von einer Vietnamesin bekomme ich den Tipp, am folgenden Abend statt dem Flieger den bequemen Nachtbus nach Rangun zu nehmen. Da ich dabei erst um 17 Uhr im Hotel abgeholt werde, gewinne ich einen Tag. Fast jedenfalls. Das gibt Zeit für eine weitere Shopping-Tour. Inzwischen ist mein Rucksack allerdings prall gefüllt.

Ich hoffe er hält durch...

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